Quantified Self – A Scary Movie at #bcruhr6


Quantified SelfQuantified Self. Bewerte Dich selbst im Netz.

So das Schlagwort einer Barcamp Session beim #bcruhr6 von und mit @JannEicker. Es geht aber nicht Reputationsmanagement.

Sondern um die Kunst sich selbst zu vermaßen.

Hinter dem durchaus interpetierbaren Begriff Quantified Self steckt eigentlich eine Philosophie, die aus dem Leistungssport kommt. Hier werden im täglichen Training sehr viele Werte aufgenommen, die die Leistungsfähigkeit des Körpers wiedergeben. Jeder kennt diese Blutdruckmesser für das Handgelenk. Lactatwerte kennen auch noch viele noch in Form des kleinen Pieksers am Ohrläppchen um über den Milchsäurestatus auf den Belastungsgrad der Muskeln zu schließen. Aber es gibt im digitalen Leben noch viel mehr Möglichkeiten.


Das Fuelband als Trendsetter

Wenn man durch die Stadt schlendert, sieht man mittlerweile sehr viele Leute, die ein unscheinbares kleines Band um das Handgelenk tragen. Das Fuelband erfasst Daten wie die Person sich bewegt und versucht über eine App am Phone zu mehr Bewegung aufzufordern, wenn man mal einen Tag faul war. Auch in anderen Formen sind solche Meßinstrumente verfügbar. Jogger dokumentieren mit einem Sensor im Schuh und einer App zur Auswertung ihre Laufstrecken und deren Höhenprofile.

Aber der Trend entwickelt sich weiter. Momentan schon im Markt ist Sensorik für den Blutzuckerspiegel. Eine echte Hilfe für Diabetiker. Und einige andere Parameter könnte man durchaus noch messen. Eine komplette Blutwertanalyse ist allerdings noch ein ziemlicher Weg, da die Sensorik einfach sehr teuer ist. Auch muss man für den täglichen Gebrauch sicherstellen können, dass die aufgenommenen Werte vergleichbar bleiben.

Gimmick oder ernster Ansatz?

Man kommt schnell an den Punkt, wo man sich diese Frage stellt. @JannEicker vertritt klar die Auffassung, das Self Quantify nur Sinn macht, wenn man aus den erhaltenen Werten auch etwas macht. Man muss lernen, die Werte zu lesen und sie als Erklärung nutzen zu können. Das einfache aufnehmen und betrachten der Werte ist zwar etwas für Technik verliebt Nerds, aber bringt keinen Nutzen.

Als gutes Beispiel mag hier Runtastic dienen, eine App für den „normalen Jogger“. Die breite Masse nutzt die App eigentlich nur, um zu zeigen, dass man wieder aktiv war. Eine echte Auswertung, ob und wie man bestimmte Streckenabschnitte zurückgelegt hat, machen die wenigsten. Dabei böte sich das an, um daraus einen Trainingsplan abzuleiten.

Und da kommt die Ernsthaftigkeit ins Spiel. Wenn jemand ernsthaft an die Optimierung seiner Leistungsfähigkeit heran geht, dann müssen diese Apps anfangen zu bewerten und Vorschläge zu generieren. Wenn die App zum Beispiel merkt, dass man Steigungen immer wieder signifikant verliert, warum  dann nicht eine Trainingseinheit Treppenlauf vorschlagen? Ein durchaus machbarer Ansatz.

Die Cloud als virtuelle Trainingsgruppe

Leistungssport macht man alleine in der Gruppe. Ein Widerspruch? Nein. Jeder in einer Gruppe von Leistungssportlern trainiert nach seinen individuellen Gegebenheiten. Jeder Mensch ist anders. Natürlich gibt es Best Practices und Techniken, die allen gemeinsam sind. Aber jeder trainiert sich aufgrund seiner körperlichen Eckdaten alleine zum Optimum. Und er misst sich immer in der Gruppe. Der Hobbyjogger beim Lauftreff, der Triathlet in Wettkampfgruppen. Irgendwann misst sich jeder, der Sport ernsthaft betreibt, an überregionalen oder sogar globalen Gruppen.

Und so etwas ist durchaus mit Hilfe „Quantified Self“-Sensorik und der Cloud denkbar.

Jetzt wird es zum Scary Movie

Schon heute wandert alles vom Smartphone in die Cloud. Meine erfassten Daten gehören doch gar nicht mehr nur mir. Schon jetzt sind diese Daten in der Welt verfügbar. Der Begriff BigData ist in aller Munde. So liefern auch diese „Messdaten“ weitere Datenschnipsel, die sich mit den Methoden der BigData Analyse auswertbar wird. Nur, wer weiß denn wirklich, wer alles die eingestellten Biomessdaten sieht und daraus Schlüsse zieht?

Wenn nun noch mehr Daten in die Cloud wandern, werden Begehrlichkeiten wach. Wir diskutieren heute über den Datenschutz bei den Versichertenkarten der Krankenkassen. Was denn da alles an Daten so drauf ist. Und gleichzeitig stellen wir unglaublich viel mehr andere Informationen ins Netz. Nach den 5 Kilometern Joggen dann bei einem Burgerbrater eingecheckt? Und danach bei Oma Ellis Tankstelle eine Flasche Ouzo mit Paypal rabattiert?

Wer jetzt ernsthaft glaubt, das Versicherer, die brennend gerne solche Daten kombinieren, nur den Lauf sehen, der kann auch getrost weiter den Stiefel raus stellen, damit der dicke Mann den dann füllt. Ja genau. Der Bärtige, der jedes Jahr mit seinem roten Anzug den Kamin kehrt.

Wo geht es also wirklich hin?

Die heute nutzbare Sensorik bietet eigentlich nur im Fall der Diabetes einen klaren Vorteil. Viel mehr wird kommen, wenn mehr Sensorik in den Markt kommt. Aufzuhalten ist der Trend nicht. Denn auch hier geht es wieder um Online-Sucht 2.0. Besser bekannt als Gameification.

Was man beobachten muss ist, wer den Trend anschiebt. Sind es Leute, denen die Gesundheit am Herzen liegt? Oder sind es Versicherer denen es um Kostenminimierung geht. Denn dann überwiegen andere Interessen.

Klares Statement von mir: Geld ist nicht alles beim Thema Gesundheit. Datenschutz darf nicht fehlen.


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