PRISM – Big Data in der Praxis

Prisma statt KabelPRISM – Die NSA und das Licht

Vor ein paar Tagen platzte die Bombe. Einige große Anbieter von sozialen Netzwerken und Cloud-Diensten kooperieren mit der National Security Agency (NSA).

Das Ausmaß der Überwachung ist noch unabsehbar. Beide Seiten betonen derzeit noch, dass es nur die Verbindungsdaten betrifft und die Inhalte gar nicht ausgewertet werden.

Wie war das bei Google Streetview? Man hat nur die Netznamen von WLANs zufällig mitgescannt. Etwas später waren es dann auch die MAC-Sdressen der Accesspoints. Kurz danach dann auch zufällige Datenschnipsel.


Kann man wirklich den Organen einer Administration glauben, die über gesetzliche Vorgaben ja sogar Mitteilungen an die Betroffenen unterdrücken?

Bedenklich, wenn jetzt herauskommt, dass ein Friedensnobelpreisträger angetreten ist, Dinge zu ändern und jetzt herauskommt, dass er ein solches Projekt wissentlich weitergeführt hat. Alles nur Teil einer Strategie?

Spannend sind auch die Erklärungsversuche der jetzt bekannt gewordenen „Kooperationspartner“ aus der Social Media und Cloud-Branche. Bei allen taucht in den vorgebrachten Rechtfertigungen der Satz auf, dass der NSA niemals „direkter Zugriff auf die Server“ gegeben wurde.

Das ist bestimmt richtig. Und das macht es doppelt bedenklich. Der Name des Programms könnte nämlich die technische Umsetzung andeuten.

In der Überwachungstechnik ist es üblich, den Datenverkehr mit Hilfe sogenannter „Wire Taps“ auszuleiten.

Das sind, bzw. waren elektrische Module, die die Signale auf dem Kabel 1:1 ableiten. Vorteil: Der eigentliche Datenverkehr wird kaum gestört. Diese Module sind allerdings mit Meßwerkzeugen nachzuweisen. Mit Hilfe von Signalinjektoren kann man solche Geräte im Kabelweg aufgrund von Reflektionen nachweisen.

Das funktioniert ähnlich wie in der Sonarortung von Ubooten. Ein kleiner Impuls wird an einem Hindernis teilweise reflektiert und detektiert. Anhand der Laufzeit des Echos kann man den Ort im Im Kabelweg sogar sehr genau lokalisieren. Selbst die Telekom setzt so etwas bei der Diagnose von Kabelstörungen bei Erdleitungen ein. An Bruchstellen im Kabel wird nämlich auch ein solches Echo produziert.

Bei Einführung von Glasfasern als Übertragungsmedium entfiel die Ableitung von elektrischen Signalen.

Aber auch hierfür wurde ganz schnell eine Lösung gefunden. Das Kabelsignal wird in einer kleinen Box mit Hilfe eines Wollaston-Prismas in zwei Lichtbündel aufgespalten.

Ist es also Zufall, dass sich ein Zusammenhang zwischen dem Namen des Projekts und einem Prisma geradezu aufdrängt?

Im Grunde könnte man das witzig und kreativ finden. In Verbindung mit dem Ausflüchten der Betreiber entwickelt sich aber eine eher bedenkliche Situation. Die Betreiber sagen die Wahrheit. Die NSA hatte keinen direkten Zugriff auf die Server. Warum auch? Man leitet einfach den gesamten Datenverkehr aus und untersucht ihn in Ruhe.

Big Data as its best.

Auch die NSA wird natürlich mit Interesse die Ansätze von Hadoop und Map and Reduce aufgegriffen haben. Denn alle Anbieter haben verschiedene Standorte, wo Daten anfallen können. Also müssen die Rohdaten entsprechend aufbereitet und zusammengeführt werden.

Man könnte an diesem Punkt wieder in eine alte Verschwörungstheorie verfallen: Ist Google nicht vielleicht nur eine getarnte Abteilung der NSA?

Hier läuft ja alles zusammen. Die Inhalte des Internet werden per Bot abgegrast und indexiert. Man hat mit Map and Reduce die theoretischen Möglichkeiten zur Auswertung von Big Data geschaffen.

Aber das ist bestimmt nicht richtig. Googles Motto laute ja schließlich „Don’t be evil!“.

Ist das ein Versprechen oder eine versteckte Drohung?

Wir werden es erleben. Das ist sicher.


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