Netzneutralität – Die technische Seite


Netzneutralität - Die Technik

Nehmen wir uns einmal die technische Seite vor.

Denn das was da gemacht werden soll, wird eigentlich schon ganz lange gemacht.

Man hat es bislang nur nicht gemerkt. Oder vielleicht doch. Wer ist relativ früh auf IP-basierte Telefonieangebote umgestiegen? Wie war das damals? Rauschen und Aussetzer, ein halbsekündiges Echo der eigenen Stimme im Hörer.

Wie ist das heute? Irgendwie anders, oder?


Der aktuelle Vorgang ist nämlich auch ein schönes Beispiel dafür, wie sich gut gedachte technische Ansätze durch Profitgier in Nachteile umwandeln lassen.

Das oben Beschriebene kennt noch jeder, der in der ersten Stunde dabei war. Voice-over-IP, also Internettelefonie, war in den Anfängen geprägt von hohen Latenzzeiten und Störungen. Also was haben die Techniker gemacht? Eine Lösung gesucht.

Diese Lösung nennt sich damals wie heute Traffic-Priorisierung.

Es wird einfach auf den im Internet vermittelnden Routern (Eisenbahn: Das Stellwerk) nachgesehen, welche Pakete, welchen Inhalt haben. Anfangs nur ganz simpel auf Basis der dem Datenpaket mitgegebenen Adressinformationen. (Dem TCP- oder UDP-Port)

Daten, die zeitkritisch waren, wurden einfach schneller abgefertigt, während andere warten mussten. Auf diese Art gelang es selbst in relativ ausgelasteten Netzwerken, Sprach- oder Video-Daten zu bevorzugen.

Also schon damals eine klare Verletzung der Netzneutralität. Es hat nur keinen gestört, weil es ja hilfreich war.

Und das Prinzip wurde weiter ausgebaut, weil es sich bewährte. Umgebaut zu sogenannten MPLS-Netzwerken. MPLS steht für Multiprotocol Label Switching und ist eigentlich ein in Normen gegossener Verstoß gegen die Netzneutralität. In diesen Netzen wurden nämlich ganze Wegewahlen für Daten definiert festgelegt. Voice- und Video-Daten nehmen den einen Weg, reiner Webtraffic einen anderen. Und man konnte sogar ganze Firmennetzwerke über weite Strecken transparent und getrennt von anderen Teilnehmern durch den Backbone tunneln.

Man kann so etwas kaum nachvollziehen, da sich diese MPLS-Strecken nur indirekt nachweisen lassen ohne einen Zugriff auf die beteiligten Router zu haben. Es ist noch zu sehen, wenn man einen Traceroute vornimmt und die Routernamen übermittelt werden. Dann sieht man sein Datenpaket in einem Router in Düsseldorf verschwinden und es kommt dann ohne Zwischenstation in München wieder zum Vorschein. In so einem Fall darf man sicher sein, dass dieses Datenpaket nicht gebeamt wurde, sondern über eine MPLS-Strecke vermittelt wurde.

Netzneutralität ist seit einigen Jahren aus technischer nur noch ein schöner Begriff.

Warum also jetzt dieses Rauschen im Blätterwald? Ganz einfach. Weil diese Maßnahmen zur Priorisierung eben aus technischer Sicht Optimierungsmaßnahmen und daher nicht schädlich sind. Im Gegenteil, erst durch diese Maßnahme wurde es möglich, dass sich Voice- und Mediendienste durchgesetzt haben. Es wurde ja auch nie gegen eine der beteiligten Seiten eingesetzt, sondern immer nur zu aller Vorteil.

Aber da ist eine neue Qualität die jetzt ins Spiel kommt. Bislang wurde immer nur priorisiert, damit ALLES möglichst schnell vom Sender zum Empfänger gelangt. Jetzt wird unterschieden in einen Unternehmen genehme und unangenehme Daten. Da liegt das Problem.

Wenn dann auch noch als Strafe das Internet auf eine Bandbreite begrenzt wird, die eine sinnvolle Nutzung nicht mehr möglich machen, wird es zu einem echten Ärgernis. Heutzutage gibt es kaum eine Website, die nicht ansprechende Grafiken oder erläuternde Videos bereithält. Bei einer Drosselung auf die üblichen Fallbackbandbreite von 1 oder 3Mbit/s würde vermutlich der Aufschrei ausbleiben. Aber natürlich wäre das dann ja für den Nutzer keine Strafe mehr.

Moment!

Ein LIEFERANT bestraft seinen KUNDEN? Ein DIENSTLEISTER leistet nur eingeschränkt? Und teilt das auch nur lapidar in einer 6-Punkt großen Fußnote zur Leistungsbschreibung mit reduzierter Laufweite mit?

DAS muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Und auch wie Politik und die marktregulierende Bundesnetzagentur damit umgeht.

Also Back to the Roots? Ich kram dann schon mal wieder GoLive 1.0 aus der Schublade. Zurück zu Tabellensatz und Grafiken als Slice und Maps. Das war auch schon mal total modern. Zu Zeiten, als Kanalbündelung im ISDN ein Thema war.

Wer Ironie oder Sarkasmus findet, darf sich was wünschen. Aber nicht mehr Bandbreite.



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