Routerzwang – Stellungnahme an die Bundesnetzagentur

RouterzwangHeute endet die Frist zur Abgabe einer Stellungnahme zum geplanten Routerzwang.

Die Bundesnetzagentur hat Betreiber, Hersteller und Dienstleister im Bereich IT gebeten, Stellungnahmen abzugeben, was aus Sicht der Betreiber für oder gegen die von den großen Netzbetreibern geplante Routerbündelung spricht.

Ich habe vor einiger Zeit dazu ja schon einmal etwas geschrieben, da dies vermutlich aber nicht bei der Bundesnetzagentur gelesen wird, habe ich heute diese Email mit der Kurzform meiner Einschätzung an 416-postfach@bnetza.de versandt.


Sehr geehrte Damen und Herren,

als IT Dienstleister im Sicherheitsbereich halte ich aus Kundensicht die Idee einer Routerbündelung für nicht hilfreich im Bestreben einen sicheren Betrieb einer Internetanbindung zu gewährleisten..

Aus meiner technischen Sicht ist der Wunsch der Netzbetreiber völlig nachvollziehbar, denn eine solche Bündelung ergibt verbesserte Administrations- und Serviceabläufe.
Leider steht das aber gerade vor dem Hintergrund der aktuellen NSA Ausspähungen im konkreten Widerspruch zu dem von Innenminister propagierten „persönlichen IT Sicherheit“.

Ich setze seit sehr langer Zeit auf das Konzept, dass mir ein Provider ein absolut transparentes Gerät zu liefern hat, das auf meiner Seite mit einer vernünftigen Hardware-Firewall terminiert wird. Mit so einer „Modem“-Variante sind beide Seite guten bedient. Jeder hat das Endgerät der Wahl und dazwischen liegt eine genormte Ethernet-Schnittstelle.

Den Versuch der Telekom, die bis dato angebotenen DSL-Modems komplett aus dem Vertrieb zu streichen und Kunden auf (schlecht mit Firmware versorgte) Billigrouter umzustellen um damit das eigene Entertain-Paket mit grenzwertigen Methoden beim Kunden durchzudrücken, hat auf mein Anraten zu einer Abwanderung von Kunden geführt, da mit der gestellten Hardware kein echter Firewallbetrieb mehr möglich war.

Die geplante Bündelung dient aus meiner Sicht lediglich dazu, die eigenen Tarifmodelle durchzusetzen und mit (mittlerweile gerichtlich untersagten) Flatrate-Versprechen Kunden zu entmündigen. Ich halte das geplante Vorgehen der Bündelung auch klar für einen Verstoß der gebotenen Netzneutralität eines Access-Providers. Aus meiner Sicht muss damit auch zwingend das Haftungsprivileg nach dem TMG überarbeitet werden, da die Anbieter wie in den 90er Jahren zum Content-Provider entwickeln.
Auch ist die Frage der Störerhaftung durch den Anschlussinhaber neu zu formulieren, da dieser weitgehend die Möglichkeit verliert auf das Gerät Einfluss zu nehmen. Der Betrieb eines solchen gebündelten Betriebs obliegt klar dem Anbieter.

Schöne Grüße

Norbert Tuschen



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