PostPrivacy ante portas

SIM KArte adéEs gibt ein Leben nach der SIM-Karte!

Da kommt bei der Vorstellung der neuen iPads von Apple so nebenbei etwas heraus, was das Leben total einfach machen wird. Apple lehnt laut Artikel bei „derstandard.at“ SIM-Karten für die Zukunft ab.

Das klingt nach totaler Kundenfreundlichkeit. Nie wieder die SIM wechseln. Nie wieder das Auswurftool suchen. Das ist doch ein perfekter Ansatz.

Das ist ein perfider Ansatz finde ich.

Die Ablösung der SIM-Karte ist aus meiner Sicht der endgültige Start von PostPrivacy. Ab diesem Zeitpunkt ist nicht mehr nur unser „Gerät“ zu orten und auszuwerten, sondern wir als Person sind es.

Hinter der Gesamtidee steckt eine von Apple betriebene Clearingstelle, bei der die Daten der virtuellen SIM mit der realen Person verknüpft werden können. Postulieren wir aber erst einmal, das mit dem Datenschutz alles perfekt läuft: Der Provider liefert nur pseudonymisierte Daten an Apple. Also nur eine Kennung, ob die Karte Guthaben hat und vermutlich welche Merkmale im Netz angefordert werden können. Daraus macht Apple dann eine ID, die uns für alle Services dort zur Verfügung steht. Auch Apple sammelt alle Daten pseudonymisiert. Also alles prima? Nein, denn das ist ein neuer Level in dem Spiel um Marketing, Konsum und die allwissende Müllhalde.

Nicht nur unser Gerät wird ortbar. Sondern ab jetzt unsere Apple ID.

Gut, das ist bis jetzt auch schon so. Aber es ist im Grunde nur unser Mobilfunk-Provider. Und es sind „nur“ unsere triangulierten Standortdaten in Kombination unserer Verbindungs- (Meta-)Daten. Damit lässt sich eigentlich auch schon eine Menge Blödsinn anstellen. Social Mapping mit Gesprächspartnern, die Analyse von Gruppenbeziehungen ist auch damit machbar.

Was bislang fehlt ist die dauerhafte und nicht abschaltbare Verknüpfung mit uns als Konsument. Es gibt zwar eine Apple-ID, mit der die Apple Cloud Services verknüpft werden. Aber ist diese immer abrufbar? Viele Menschen nutzen die Cloud nicht. Aus für mich nachvollziehbaren Gründen.

Und auch die Geräteklasse ist eingrenzbar. Es sind bislang nur Mobilgeräte mit Funkmodul. Hier betritt gerade ein neuer Player die Bühne rund um Konsumforschung. Ein Player mit einem großen Mobilfunkanteil und einem Image, der Trends setzt.

Reichern wir jetzt das Ganze mal mit App-Daten und Apple-Pay Informationen an.

Fällt Ihnen was auf? Nicht mehr nur ein Provider kann herausbekommen, was sie so tun und wo sie sind. Apple könnte diese Daten auch allen anderen Providern verkaufen, die damit „ihre Netzabdeckung optimieren“ können. Diese Provider könnten damit auch anderes machen. So wie Telefonica das schon einmal vor hatte. Man könnte die Daten ja nutzen und zu Geld machen. Quasi als Ausgleich der vom Kunden „geforderten“ niedrigen Mobilfunkpreise. Damals ging das schief.

Aber jetzt ist die normierende Kraft einer coolen Company im Boot.

Ob nun die Mobilfunk-Provider die Daten kaufen oder ob Apple die Daten an jeden gibt der zahlt, lasse ich einmal offen. Die anfallenden Daten lassen jedoch vermuten, das viele neue Begehrlichkeiten geweckt werden. Und es gibt dank Big Data auch Möglichkeiten diese Begehrlichkeiten in Form von Statistiken zu befriedigen.

Momentan reden wir nur über pseudonymisierte Metadaten. Also könnte man ja auch direkt noch Gesundheits- und Bonitätskennziffern mitliefern. HealthKit und Apple-Pay bieten das doch. Optimal für große Ketten, die Location Based Marketing anbieten.

Da ist dann beim Eintreten ins Geschäft schon klar, ob aufgrund der Gesundheitsdaten ein Ratenvertrag für den neuen Fernseher möglich ist oder nicht. Das ist doch total praktisch.

Die BWLer in den Unternehmen werden jubeln. Es spart im Geschäft auch noch mehr Personalkosten. Für den solventen Käufer steht ein Fachverkäufer zur Verfügung, den Rest wickelt der angelernte Helfer für einen Bruchteil des Stundenlohns ab.

Und da ist noch so viel Platz für weiteren Mehrwert. Man könnte auch eine App entwickeln, die den EAN-Code des Fernsehers scannt und direkt anzeigt, welche OnDemand Videos man in der zu erwartenden Lebenszeit noch ansehen kann. Am besten direkt mit der Kalender-App verknüpft, die je nach Thema auch eine Dramaturgie entwickelt. Und natürlich mit einem Online-Versender für Nahrungsmittel. Das total vernetzte Haus sorgt dann über all die kleinen Hausautomationsgeräte für Wohlfühlklima und ab und zu mal frische Luft. Perfekte neue Welt.

Nie wieder über das eigene Leben entscheiden, da gibt’s auch eine App.

Spätestens hier sollte jedem klar sein, das es nicht nur um Planung von Marketingmaßnahmen geht. Wer sich ansieht, mit welcher Inbrunst kopierte Ahnung aus dubioser Quelle als Wissen ausgegeben wird, dem sollte klar sein, dass viele Menschen mit derart subtilen Möglichkeiten zu lenken sind. Und das wird passieren, Bequemlichkeit siegt. Egal mit welcher Konsequenz.

Eins sollte uns allen klar sein: Es geht diesen neuen Heilsbringern nicht darum, den Anwendern etwas Gutes zu liefern. Es geht um den Share Holder. Dem muss man Gutes liefern. Wir Anwender sind nur die Ware.


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