Neulich hinter’m Tellerrand

Licht am Horizont-LernlabKAS14Es werde Licht…

Am 24. August 2014 fand in Köln das „LernLab 2014“ statt. An der Kaiserin-Augusta-Schule am Georgsplatz trafen sich Lehrer Schüler, Eltern und Vertreter der Verwaltung, um einmal ganz praktisch zu zeigen, wie man mit digitalen Medien in der Schule umgehen kann.

Das war eine ganz spannende Veranstaltung außerhalb meiner ganz persönlichen Filterblase. Am spannendsten dabei war mich zu sehen, dass „Schule 2.0“ offenbar funktioniert, wenn man es vernünftig angeht.

Der erste Eindruck: Ein ganz normale Schule.

Das änderte sich aber ziemlich schnell. Es gab nämlich WLAN. Und Schülern am CheckIn, die mit Hilfe von iPads die Besucher registrierten. Dann zum Pausengong die Gänge voller Schüler, die erst einmal aktuelle Nachrichten und Neuigkeiten checkten.

All das sehr ungewohnt.

Im Ruhrgebiet an einer mir bekannten Schule wird nämlich auch im Herbst 2014 nur mit Sanktionen und Restriktionen gedroht.

Wie anders war es hier. Leider konnte ich erst nachmittags an der Veranstaltung teilnehmen, aber es wurde einhellig mit Begeisterung von dem vormittags gesehenen Unterricht gesprochen. Offenbar funktioniert hier die die friedliche Koexistenz von Unterricht und Digitalgadget. Wie sagt ein Lehrer so schön: Mir ist lieber das Smartphone liegt offen auf dem Tisch als dass die Schüler unter dem Tisch damit beschäftigt sind.

Nach einer ersten Übergangsphase hat sich offenbar das gesamte Verhalten sehr schnell eingependelt. Es hat sich offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, das man irgendwie doch nichts verpasst. Im Gegeteil, Smartphones werden gerne genutzt um Impulse des Unterrichts zu vertiefen und wie selbstverständlich dort zu weiterzumachen, wo die Tafel endet.

Spannend zu sehen, wie Lehrer die Tools der SocialMedia Nerds benutzen.

Da wird mit dem iPad präsentiert, Daten zusammengefasst, im Netz recherchiert und archiviert was das Zeug hält. Finde ich wirklich gut was da an Ideen zu sehen war.

Was noch zu sehen war: Bildung 2.0 funktioniert nur wenn alle Seiten mitmachen. Innerhalb der Schule muss die Schulleitung und das Kollegium so etwas wagen.

Die Voraussetzungen sind in Köln ziemlich gut, denn die Stadt hat bundesweit das im Mittel jüngste Kollegium, so ein Elternvertreter. Auch die Schulverwaltung scheint sehr aufgeschlossen und versucht Schulen zu unterstützen wo immer das möglich ist. Was aber ganz deutlich ist: Ohne Lehrer und einen Schulleiter, der die Vorteile neuer Medien erkennt, wird digitale Bildung nicht klappen.

Schule 2.0 funktioniert nicht ohne die Methoden von Schule 1.0

Das ist eine klare Aussage, die ich als Schulexterner absolut nachvollziehen kann. Pädagogische Methoden und Prinzipien werden ja nicht dadurch wertlos, dass man neue Medien einsetzt.

Schule 2.0 braucht aber mehr als Schüler und Lehrer um zu funktionieren. Von Seiten der Schule klar benannt: die Infrastruktur muss passen. Da derzeit nur einige Räume mit WLAN ausgestattet sind, wäre es ein Ziel das WLAN auf die gesamte Schule auszudehnen. Der Einsatz von Smartphones und Pads wäre damit unabhängig von Standort.

Hier ist dann die Verwaltung gefragt. Anstatt neue digitale Whiteboards einzuführen, deren Einsatzrate offenbar gar nicht so ist, wie geplant, solle man besser in Infrastruktur investieren. Ebenso wichtig erscheint auch die Forderung nach mehr Bandbreite für die Schulen, da offenbar nur vereinzelt ausreichend Reserve für die vorhandene Schülerzahl vorhanden ist.

Hier könnte Schule durchaus auch von Ansätzen wie Freifunk partizipieren, die über eine interne Vernetzung verschiedener Schulen in Sichweite Redundanzen und mehr Bandbreite realisieren könnten.

Mein Wunsch: Holt euch Expertise aus der Elternschaft.

Hier gibt es genug Leute in der eigenen Elternschaft, die fertige Konzepte der Ministerien hinterfragen und bewerten können. Daneben müssen gemeinsame Datenschutzstandards auf technischer und organisatorischer Ebene geschaffen werden. Ohne vernünftige Konzepte wird das alles nicht funktionieren.

Wir müssen hin zu einem kooperativen Konzept in der Schule. Lehrer müssen von Eltern und Schülern lernen, Eltern von den anderen beiden, dann lernen in logischer Konsquenz auch Schüler wie selbstverständlich. Sie bekommen dann nämlich vorgelebt, das Zuhören und Lernen Spaß macht.


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