Medienkompetenz & Co

20090917_IGP3490_600pxÜberall im Lande wird über das Thema Erwerb von Medienkompetenz geredet.

Ich halte gerade in meiner Funktion als Elternvertreter das Exemplar 205 der Zeitschrift der Landeselternschaft für Gymnasien in den Händen. Und was da an Themen zu sehen ist, macht mich nachdenklich. Viele merken nämlich gar nicht, dass all die Diskussionen rund um „Abitur in acht oder neun Jahren“ im Kern eine Diskussion ist, die etwas mit Entschlackung von Inhalten und neuen Präsentationsformen zu tun hat.

Es wird zum Beispiel die PSI-Theorie nach J. Kuhl dargestellt. Referent ist Dr. Sebastian Renger von Deutschen Zentrum für Begabungsforschung und Begabungsförderung.

Seine Ausführungen finde ich sehr interessant. So sich gleich zu Anfang Weisheiten, die jeder aus seiner Schulzeit nachvollziehen kann:

„… In der lern- und begabungspsychologischen Konsequenz bedeutet dies, dass die Beziehung zum lernenden Kind die Ausgangsbasis liefern soll, in der persönliche Lernen gelingen kann. …“

„.. Die Qualität der Beziehung zwischen dem Kind und der Lehrkraft wirkt nachweislich auf viele Kompetenzen der Strassverarbeitung, Emotionsregulation und sogar auf die Schulleistung. …“

Das sagt ja nichts anderes, dass Lehrer mit einer guten Bindung zu ihren Kindern weit mehr erreichen können: Emotionsarbeit am Arbeitsplatz Schule.

Lehrer sollen sich nach seiner Meinung mehr zum „Lernbegleiter“ entwickeln. Aus meiner Sicht genau der Ansatz, der immer weiter ins Hintertreffen gerät. Die beiden „Partner“ im Lernraum Schule verstehen einander nicht mehr. Das führt eben genau in der Diskussion um das Thema Erwerb von Medienkompetenz zu einer generellen Ablehnunghaltung gegenüber neuen Medien.

Auch der zweite Artikel in der Zeitschrift bestätigt mich in meinen in der Vergangenheit oft geäußerten Vermutungen. Der Neuropsychologe Dr. Robin J. Malloy nimmt sich nämlich einmal das Lernen aus Sicht der Hirnforschung vor. Eine klare Aussage lautet: „… dass das Schulsystem mindestens seit den 70er-Jahren an allen Erkenntnissen der Hirnforschung vorbeigehe. …“

Er beklagt auch, „… dass das Allgemeinwissen im schulischen Bereich zwar um 1900 noch zu vermitteln gewesen sei, dies aber wegen der heutigen Wissensbreite nicht mehr gelinge. …“

Klares Fazit: Es muss die Kompetenz erworben werden, herauszufiltern, was zu einer konkreten Problemlösung erforderlich ist.

Auch der Spaßfaktor, den ich so oft mit „Neugier“ oder „Spaß am Lernen“ umschreibe, ist für ihn aus neurowissenschaftlicher Sicht belegbar. Nachhaltige Lernerfolge stellen sich nur ein, wenn mit Begeisterung vermittelt werden kann. Er spricht klar davon, dass nicht „… die Vermittlung curricularer Inhalte in den Mittelpunkt dürfen …“, sondern, dass der Schüler in den Fokus gehört. „… Der Unterricht müsse irgendwie interessant, neugierig machend, begeisternd inspirierend sein, …“

Was mich dabei stört, ist das Wörtchen „irgendwie“. Denn das genau ist das Problem. Es fehlt an Ansätzen wie das passieren kann.

Fehlen die Ansätze aber wirklich?

Warum nicht einfach die Begeisterung der Kids nutzen und mit Ihnen zusammen Smartphone und Tablets als neues Lehrmittel etablieren? Hier ist doch Begeisterung zu sehen, man muss sie nur kanalisieren und dem Lehrzweck nutzbar machen.

Welche Konsequenzen die Landeselternschaft und Dr. Malloy in der Diskussion aus diesen beiden Vorträgen ziehen, ist für mich diskussionwürdig!

Laut Artikel spricht sich Dr. Malloy klar für ein totales Handyverbot im Schulalltag aus. Zumindest ist der Artikel so betitelt. Ich habe den Eindruck, dass hier ein vorauseilender Wahrnehmungsfilter der berichtenden Landeselternschaft zuschlägt.

Leider reißt der Artikel die Diskussion vor Ort nur an, es fehlt mir an der Nachvollziehbarkeit dieser Aussage(n). Es wird in der Diskussion von „dauerhafter Nutzung“ gesprochen. Was ist damit gemeint? Und vor allem: Sollte nicht die Erlangung von Medienkompetenz nach einer gewissen Übergangszeit dazu führen, dass sich ein wahrgenommenes dauerhaftes Nutzungsverhalten nivelliert? Je normaler der Umgang mit Medien innerhalb der Familie und des sozialen Netzwerks ist, um so schneller stellt sich das ein. Natürlich nutzen Schüler von heute Smartphones um sich neben der Schule in dezentralen Lerngruppen zu organisieren.

Wenn ich sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit hier im Haus die Hausaufgaben nach der Fertigstellung mit anderen verglichen und diskutiert werden, finde ich das völlig normal. Auch wir haben als Schüler der70er und 80er Jahre doch das Telefon für solche Vergleiche genutzt. Kids, die sich dann bei großen Varianzen im Ergebnis daran machen und im Internet Quellenrecherche betreiben, machen doch genau, was Dr. Malloy fordert. Sie sind neugierig und beginnen Informationen und Erklärungen zu suchen.

Ich finde, es ist an der Zeit Lehrer und Eltern zu fordern und sie in lebenslanges Lernen einzubeziehen.

 


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