Man kann sich nur wundern…

Da gibt es Webseiten auf denen steht groß der Slogan „Crypto für Alle“. Eine vielversprechende Headline, wie ich finde.

Vor allem wenn man dann im Weiteren liest, dass das Thema Kryptographie mehr Aufmerksam verdient und Unterstützer für Schulungsprojekte sucht. Was liegt also näher, als mit dem Seitenbetreiber Kontakt aufzunehmen und nachzufragen, ob eine Kooperation in Frage kommt. Warum nicht gegenseitig Fachartikel schreiben oder verlinken?

Was als Antwort auf meine Email eingeht, lässt mich einigermaßen verwirrt bis verwundert zurück.

„Kryptographie für alle“ besteht für mich aus einer Vielzahl verschlungener Wege, die jeder Anwender von IT-Technik gehen kann. Damit der „Normalanwender“ das gelassen tun kann, ist es notwendig, diese Wege mit ihm gemeinsam zu erkunden und auf die Tricks und Fallen am Wegesrand aufmerksam zu machen.

Diese Begleitung besteht aus Erklären, Zeigen, Vorleben und wieder Erklären…

Geduld ist gefordert

Und es braucht Gelegenheiten sich mit Anwendern auszutauschen. Überall sind mittlerweile sogenannte Crypto-Stammtische aus dem Boden geschossen. Das ist ein guter Ansatz, wenn dort Menschen erklären, die das können. Es braucht dort nicht den Kryptografie-Profi, der den Quelltext der verschiedenen Crypto-Programme auswendig kann. Es braucht Menschen, die den normalen Anwender verstehen und vermitteln können.

Geht auf Leute zu und holt sie ab

Die Antwort auf meine Anfrage zur Kooperation war wirklich unglaublich. Oder nein. Sie erklärt für mich sehr schön, warum Anwender so eine Hemmung haben auf Crypto-Parties oder -Stammtische zu gehen.

Der Betreiber schreibt mir doch glatt, es wäre nicht sein Interesse über Kryptografie in der ganzen Breite zu informieren. Gut, das kann man für sich persönlich ganz sicher so sehen. Für mich ist es auch ein Hinweis auf den Ansatz der meisten Fachleute: Jeder sitzt auf seiner kleinen Scholle und will nur da arbeiten. Über den Gartenzaun gucken? Bloß nicht. Da könnte ja was sein, was man selber lernen muss.

So funktioniert Vorbild sein aber nicht. Man muss den Anwendern nicht zeigen was man selbst für ein toller Hecht ist. Man darf seine eigenen Grenzen klar aufzeigen und dem Anwender so das Gefühl vermitteln, das Nichtwissen keine Schande ist.

IT ist Kommunikation

Auch das müssen wir Techniker erst noch weiter verinnerlichen. Kommunikation hat viele Ebenen. Eine davon ist das Design von grafischen Nutzerinterfaces. Ein anderes die Semantik des geschriebenen Wortes. Auch hier sehe ich eine Menge Optimierungsmöglichkeiten.

Wenn ich mich auf einer Website nur widerwillig bewege und nach Informationen suche, dann wird das vermutlich kein Anwender tun.

Es gibt noch viel zu tun. Ich lerne dann mal weiter.


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