Blogparade: #Digitalleben

Bildung 2.0Digitalleben muss in der Schule anfangen.

Die SPD hat zum Auftakt ihrer Kampagne #Digitalleben zu einer Blogparade aufgerufen. Auch ich möchte ein paar Sätze dazu verlieren, wie ich mir ein Leben im digitalen Raum vorstelle.

Wichtiger als die Marketing-Aktion „100 Köpfe, 10 Fragen“ einer Partei, die aus meiner Sicht im Bildungwesen seit Dekaden gänzlich versagt, ist es darzustellen, wo es mangelt.

Schule 2.0 ist noch immer Schule 1.0

Durch eigene Wahrnehmung in einer Schule sensibilisiert, stoße ich in Medien und bei Veranstaltungen immer wieder auf die Forderung, das Schule modernisiert werden muss. Leider kann niemand erläutern wie. Im Gegenteil, die Entscheider im Bildungsbereich diskutieren immer nur über Hemmnisse, anstatt vorhandene Ansätze endlich einmal aufzugreifen und aktiv zu werden.

Leider herrscht im Bildungwesen unglaublich viel Unkenntnis und Abwehrhaltung. In einem Artikel der Welt kommt wieder einmal heraus, warum alles so zäh ist. Über die Hälfte der befragten Lehrer äußern sich abwehrend zum Thema Computer in der Schule. Offenbar sind es aber keine konkreten Zusammenhänge, die sich aus technischen Gegebenheiten ableiten lassen. Die Antworten dieser Richtung stecken nämlich in den 47%, die einen Einsatz befürworten.

Wie also argumentiert der Rest? Lehnt moderne Technik einfach ab.

Medieneinsatz fast wie vor 30 Jahren.

Das genau ist meine Wahrnehmung. Im Bereich Medientechnik und Medienerziehung hat sich von außen gesehen in den letzten 30 Jahren nichts verändert. Es werden zwar an Stelle von 35mm Filmen aus dem Verleih mittlerweile DVDs eingesetzt, auch der Overheadprojektor weicht oft digitalen Whiteboards, aber im Kern hat sich definitiv kaum etwas verändert.

Wie soll sich auch etwas verändern, wenn in der Lehrerausbildung digitale Medien nicht mit der gebotenen Ernsthaftigkeit gelehrt werden.

Es wird nicht funktionieren, politische Forderungen zu stellen, ohne zu berücksichtigen, dass es 10 Jahre Zeit braucht, bis Änderungen in der Schule auch ankommen. Wer soll denn die Forderung nach mehr „Coding und Computern“ in der Schule umsetzen, wenn sich die Hälfte des Lehrpersonal eine innere Verweigerungshaltung stolz vor sich herträgt?

Change Management auch in die Schule. Ausruhen gilt nicht.

In jedem Beruf ist Weiterbildung Pflicht. Und zwar auch in Bereichen, die eigentlich auch zum Kern der erlernten Tätigkeit gehört. Werkzeuge ändern sich nun einmal im Laufe des Berufslebens. Und das ist auch gut so.

Wir dürfen uns im Bildungsbereiche keine Totalverweigerer leisten. Solche Menschen sind schädlich für die Entwicklung einer ganzen Generation.

Schule muss sich entwickeln. Wer sich dagegen stellt, darf auch gerne gehen.

Die Welt außerhalb von Bildungseinrichtungen dreht sich schneller als man in diesem Bezugssystem wahrnimmt.

In der digitalen Welt reden wir oft von „Filterbubbles“. Diese gilt es aufzubrechen, um nicht innerhalb dieser Blase zu stagnieren. So muss auch das Bildungssystem endlich diese Blase durchbrechen und aktiv die Entwicklung vorantreiben.

Und das muss oben anfangen. Solange Bildungspolitiker diese Blase stützen, kann die Forderung nur sein, genau diese Entscheider als erste auszutauschen. Die Lobbyarbeit von Verlagen und Lehrergewerkschaften muss bekämpft werden, da sie keinerlei Kraft zur Erneuerung bietet. Den Status Quo haben wir lange genug bewahrt.

Und so leid es mir tut, liebe SPD, man kann das kaum durch diese 10 Fragen bewirken.

 

Die 10 Fragen:

1. In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich…

… Realität

2. Unverzichtbar oder überflüssig, Arbeit oder Freizeit? Mein Computer ist für mich…

Was für eine Frage. Allein die Frage zeigt wo das Problem liegt. Es gibt kein Schwarzweiß, sondern Tausende Abstufungen.

3. Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist,…

… Kommunikation. Mit Menschen sprechen und gemeinsam Ideen zu entwickeln und Impulse zu geben.

4. Bedrohlich! Wir müssen besonders aufpassen, dass…

… die digitale Welt nicht von Politikern und Totalverweigeren zerredet wird.

5. Die Digitalisierung verändert mein Leben durch…

… neue Impulse und Informatonen.

6. Chatten mit Enkeln, Einkaufen per Mausklick, Arbeiten ohne feste Bürozeiten. Was bringt die Digitalisierung für Familien und Ältere?

Neue Chancen für die Kommunikation über weite Strecken.

7. Programmieren in der Grundschule, das Faktenwissen der Welt in der Suchmaschine. Wie sollte Bildung in Zukunft aussehen?

Programmieren in der Schule zu lehren ist Unsinn. Es kann nicht um das Erlernen einer neuen Expertenfähigeit gehen. So früh es geht, müssen Kinder lernen, mit Medien insgesamt umzugehen. Die Bildung der Zukunft kann flexibler und interessanter gestaltet werden. Bildung 2.0 sollte fesseln und neugierig machen.

8. An jedem Ort arbeiten können und ständig erreichbar sein. Was bedeutet das für Arbeit im digitalen Zeitalter?

Wir müssen alle neue Umgangsweisen entwickeln. Für manche ist es sinnvoll auf eine klare Trennung von Arbeit und Freizeit hinzuarbeiten. In anderen Fällen ist es das eben nicht. Wir müssen den Menschen den Freiraum geben, einen eigenen Weg zu entwickeln. Genauso müssen Führungskräfte in Unternehmen neu lernen, das Mitarbeiter eben nicht immer und ständig für das Unternehmen da sind. Kreative Impulse können nur in Ruhephasen entstehen.

9. Was müssen wir im digitalen Zeitalter tun, damit unsere Wirtschaft erfolgreich bleibt?

Wir müssen in Bildung investieren. Es darf nicht sein, dass neue Medien in der Lehrerausbildung nicht im Fokus stehen. Wissenvermittlung muss sich entwickeln.

10. Die Digitalisierung schafft Chancen und birgt Risiken. Von der SPD erwarte ich, dass

… endlich einmal nachhaltig das tut, was immer nur für Wahlen versprochen wird. Ziele müssen langfristig angestrebt werden und dürfen nicht wie bisher nur auf Legislaturperioden und Koalitionsverträge abgestellt sein.


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