#30c3 – (Kein) Chaos in Hamburg

#30c3Die letzten Sessions laufen beim #30c3.

Zeit für ein Fazit eines (leider) nur per Videostream zugeschalteten Beobachters.

Zentrales Thema dieses Jahr im Stream war klar die NSA-Affäre. Erfreulicherweise ging es nicht nur um die reine Technik, sondern auch um die gesellschaftspolitischen Herausforderungen, denen wir alle uns in Zukunft stellen müssen.


Am meisten beeindruckt hat mich die Sachlichkeit mit der die Fakten interpretiert und in einen Zusammenhang gebracht wurden. Ohne Panikmache oder diffuse Verschwörungstheorien wurden bislang bekannte Fakten aneinandergereiht und zur eigenen Interpretation freigegeben.

Alt und um so mehr erschreckend.

Oftmals bezogen sich die Präsentationen auf Daten aus den Jahren 2008/2009, aber auch das war erschreckend genug. Schon vor vier Jahren hatte die NSA offenbar die Möglichkeiten, weitreichend Daten zu erfassen und einzelne Personen komplett zu überwachen.

Den auf dem #30c3 gezeigten Dokumenten zufolge hat die NSA sogar die Möglichkeiten, Hardware auf dem Lieferweg abzufangen und mit „Zusatzfunktionen“ weiterzuschicken.

Ein wirklich interessanter Vortrag von Jacob Appelbaum (Bei Twitter als @ioerror) hierzu findet sich bei Youtube:

Wer Zeit findet, sollte sich den wirklich spannenden Vortrag einmal ansehen.
Wer die Zeit nicht findet, sollte sich etwas Zeit dafür freimachen. Es lohnt sich!

 Das Fazit der Vorträge geht für mich in eine klare Richtung.

Wir als Anwender müssen uns entweder mit einer globalen Überwachung abfinden oder wir suchen nach Wegen, dieser Überwachung unserer Daten auszuweichen und eine breite, aufklärende Diskussion zu beginnen, die nicht von Verschwörungstheorien geprägt ist.

Der Weg in eine durch die Schere im Kopf geprägte Grundordnung ist aus meiner Sicht ein nicht wünschenswerter gesellschaftlicher Rückschritt in die Zeiten von Gestapo und Stasi.

Die Diskussion nach der Veröffentlichung der NSA-Dokumente hat ja begonnen und beginnt auf breiter Front die Gesellschaft zu durchdringen und zu sensibilisieren. Und das zeigt schon Wirkung.

Die großen Anbieter in den USA merken schon, dass sich etwas ändert. Das Ausweichen der User bewirkt nämlich einen spürbaren wirtschaftlichen Effekt. Der Nutzen Sozialer Netzwerke wird hinterfragt. Ebenso im Business-Bereich das Auslagern von Daten und Datenverarbeitung in US-lastige Cloud-Systeme.

Es fallen nahezu in jedem Dokument die Namen der großen Netzwerk- und Serverhardwareausrüster. Und diese scheinen auch nervös zu werden. In letzter Zeit sind zum Beispiel ziemlich viele gesponserte Nachrichten auf Twitter von CISCO zu verzeichnen. Das könnte durchaus damit zusammenhängen.

Das ist auch der Ansatzpunkt, den wir als User nutzen können. Verweigerung bringt wirtschaftlichen Druck bei den Anbietern. Ergebnis: Wenn das Business-Modell stirbt, wird auch die Wirtschaft auf die Regierungen einwirken, die Geheimdienste wieder in den Griff zu bekommen. Nur so ist es möglich, diese von Verfolgungswahn getriebenen Verirrten in den Geheimdiensten wieder einzufangen.

2014 wird ein paar Veränderungen in meinen Empfehlungen bei der Hardwarebeschaffung bringen.

Es kann also nur einen Weg geben: Weg vom Mainstream, hin zu verlässlicher IT Made in Germany. Hier gibt es genug Ansätze. Ich fange an, die Fäden neu zu knüpfen.

Die meisten Videomitschnitte der Sessions gibt es hier.


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